Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Beziehungen zu Deutschland

02.11.2018 - Artikel

Stand: Oktober 2018

Politik

Die deutsch-kirgisischen Beziehungen sind historisch durch die deutsche Minderheit in Kirgisistan geprägt. Erste Siedlungen deutschstämmiger Mennoniten gehen ins 19. Jahrhundert zurück. Während des Zweiten Weltkriegs wurden deutschstämmige Bürger der UDSSR, meist aus dem Wolgagebiet, unter anderem nach Kirgisistan zwangsumgesiedelt. Eine weitere Zuwanderungswelle setzte in den fünfziger Jahren nach Ende der Verbannung aus Sibirien ein. Von den zu Beginn der neunziger Jahre rund 100.000 Deutschstämmigen in Kirgisistan sind schätzungsweise 8.000 im Lande verblieben. Die Bundesregierung unterstützt die deutsche Minderheit auch finanziell, insbesondere im sozialen, kulturellen und Bildungsbereich.
Die Sicherung der Zukunftsperspektive für kirgisische Bürger deutscher Abstammung war ein wichtiger Punkt der Grundsatzerklärung vom 04.07.1992 zwischen dem unabhängigen Kirgisistan und der Bundesrepublik Deutschland. Im gleichen Jahr wurde in Kirgisistan eine deutsche diplomatische Vertretung eröffnet. Als erster EU-Staat mit einer voll ausgebauten Botschaft in Kirgisistan ist Deutschland der wichtigste Partner Kirgisistans in der Europäischen Union.
Der damalige kirgisische Präsident Almasbek Atambaev besuchte Deutschland im April 2015 und im Februar 2017, wo ihn die Bundeskanzlerin am Rand der Münchener Sicherheitskonferenz traf. Der damalige Bundesminister des Auswärtigen Frank-Walter Steinmeier besuchte Bischkek vom 31. März bis 1. April 2016, die Bundeskanzlerin vom 13. bis 14. Juli 2016. Auch die Reise des damaligen Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt nach Bischkek im Oktober 2016 unterstrich das beidseitige Kooperationsinteresse. 

Wirtschaft

Der Handelsaustausch ist insgesamt gering und durch einen großen Handelsbilanzüberschuss auf deutscher Seite gekennzeichnet. 2017 standen Exporten nach Kirgisistan in Höhe von knapp 62,01 Mio. Euro Importe in Höhe von 13,93 Mio. Euro gegenüber. Deutsche Exportgüter nach Kirgisistan sind hauptsächlich Fahrzeuge und Maschinen sowie chemische Produkte (Medikamente, Kosmetik). Kirgisistan exportiert nach Deutschland vor allem landwirtschaftliche Produkte.
Die Investitionstätigkeit deutscher Firmen ist gering. Akteure wie die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien befördern den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen. Im  März 2017 fand in Bischkek zum zweiten Mal der Tag der Deutschen Wirtschaft statt, maßgeblich organisiert von der AHK Almaty, den die Bundesregierung unterstützte und hochrangig wahrnahm.  

Entwicklungszusammenarbeit

Bei den entwicklungspolitischen Regierungsverhandlungen mit Kirgisistan im Juli 2017 in Berlin wurde der Kurs der Zusammenarbeit für die nächsten zwei Jahre (2017/2018) vereinbart. Für bilaterale Maßnahmen wurden vom Entwicklungsministerium (BMZ) Mittel in Höhe von 40,1 Mio. Euro für die finanzielle und technische Zusammenarbeit bereitgestellt. Die Schwerpunkte 'Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung' und 'Reform im Gesundheitswesen' wurden dabei bestätigt.

Das Hauptziel bei der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Kirgisistan ist es, langfristig eine stabile und nachhaltige Entwicklung des Landes zu unterstützen. Die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (“Sustainable Development Goals“  - SDGs) geben dabei neben der nationalen Entwicklungsstrategie die wichtigsten Orientierungshilfen. Darüber hinaus prägen die Themen Klima/Umwelt und Querschnittsthemen wie Good Governance, Inklusion oder Geschlechtergerechtigkeit unsere Entwicklungszusammenarbeit mit Kirgisistan. Deutschland ist dabei einer der wichtigsten bilateralen Geber. Darüber hinaus beteiligt sich Deutschland mit seinen Beiträgen wesentlich an den Programmen multilateraler Institutionen (Weltbank, ADB, EBRD, EU, VN-Organisationen).

Die bilaterale Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) durch die KfW konzentriert sich vor allem auf den Gesundheitsbereich. Infrastruktur und Ausstattung zu Mutter-Kind-Gesundheit, Tuberkulose, HIV und Notfallmedizin werden finanziert. Daneben wird mit deutscher Unterstützung z.B. auch die kommunale Infrastruktur erneuert. Überdies werden über Partnerbanken günstige Kredite für kleine und mittlere Unternehmen im Agrarsektor zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen der bilateralen Technischen Zusammenarbeit (TZ) durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) ist die Bundesregierung vor allem mit einem Programm zur Förderung nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung engagiert. Diese „nachhaltige Wirtschaftsentwicklung“ umfasst auch die Bereiche Berufsbildung, Entwicklung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten und relevanter Qualitätsinfrastruktur, Jugendqualifizierung, Handel und Exportförderung. Daneben gibt es ein Vorhaben zu Mutter-Kind-Gesundheit, um die Projekte der FZ zu flankieren. Klima und Biodiversität, Rechtstaatlichkeit und Drogenprävention werden im Wesentlichen durch regionale Vorhaben thematisiert, zum Teil in Ko-Finanzierungen mit der EU.

Neben den bilateralen Programmen unterstützt die Bundesregierung auch zahlreiche weitere Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen, Sozialstrukturträgern und Kirchen. Größere vom Entwicklungsministerium (BMZ) finanzierte Vorhaben werden von folgenden Organisationen durchgeführt: Sparkassenstiftung, Deutscher Volkshochschulverband (DVV), Deutsche Welle Akademie (DWA), Deutsche Rote Kreuz (DRK). „Brot für die Welt“ fördert mit Bundesmitteln die kirgisische Zivilgesellschaft. Die erfolgreiche und langfristige Arbeit der politischen Stiftungen, insbesondere der Friedrich Ebert Stiftung und der Hanns-Seidel-Stiftung, wird ebenfalls durch die Bundesregierung unterstützt.

Kirgisistan selbst hat nach seiner 'Nationalen nachhaltigen Entwicklungsstrategie 2013-2017' in kurzer Abfolge zwei weitere Entwicklungsstrategien für die Jahre 2018-2023 verabschiedet.

Kultur und Bildung

Zur Förderung der deutschen Sprache werden im Rahmen der Initiative 'Schulen – Partner der Zukunft' durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und das Goethe-Institut insgesamt zehn Schulen in verschiedenen Städten Kirgisistans besonders unterstützt, unter anderem durch aus Deutschland entsandte Lehrkräfte.
An einigen dieser Schulen können die Schüler das Deutsche Sprachdiplom II erwerben. Die Deutschförderung in Kirgisistan befindet sich aber in einer zunehmend schwierigen Lage: Mit der Förderung der kirgisischen Sprache im Schulunterricht und dem Aufstieg des Englischen sinkt die Zahl der Deutschlerner an den kirgisischen Schulen.
In der Bischkeker Nationalbibliothek existiert seit 1998 ein deutscher Lesesaal, der vom Goethe-Institut Almaty mitbetreut wird. Seit 2000 besteht ein durch das Goethe-Institut Almaty koordiniertes Sprachlernzentrum, das landesweit qualifizierte Sprachkurse und Lehrerfortbildungen anbietet. Weitere deutsche Informationszentren befinden sich in Osch und Jalalabad.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist in Bischkek mit einem Informationszentrum präsent. Der DAAD vergibt in Kirgisistan regelmäßig Forschungs- und Studienstipendien an kirgisische Studierende und Wissenschaftler. Die Zahl der DAAD-Stipendiaten wächst kontinuierlich. 2016 wurden 99 Personen aus Deutschland und 431 Personen aus Kirgisistan im akademischen Austausch gefördert. 
DAAD-Lektoren arbeiten an mehreren Bischkeker Universitäten. Zwischen beiden Ländern gibt es zahlreiche Hochschulpartnerschaften, die ebenfalls vom DAAD gefördert werden. Insgesamt entfallen jährlich etwa 1 Mio. Euro auf Stipendien für kirgisische Studierende und akademische Förderung in Kirgisistan.
Ehemalige DAAD-Stipendiaten haben sich im April 1999 zum DAAD-Alumni-Verein zusammengeschlossen. Anfang 2005 hat sich auch ein Verein der Alumni der Alexander von Humboldt-Stiftung konstituiert.
Die Deutsche Welle (DW) hat landesweit mit zahlreichen Rundfunk- und Fernsehsendern 'Rebroadcasting-Verträge' zur Übernahme und Weiterausstrahlung des DW-Satelliten-Radio- und Fernsehprogramms abgeschlossen. Einen weiteren Schwerpunkt legt die DW-Akademie auf die Weiterentwicklung der kirgisischen Bürgerradios sowie auf die Netzwerkbildung junger Journalisten in Zentralasien.
Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

nach oben