Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Statement Liliya Ten

26.04.2022 - Artikel

Liliya Ten: So verbessern sich LSBTTIQ-Rechte in Kirgisistan und Deutschland


Gründerin der NGO „The Grace“ setzt sich für mehr Toleranz und Persönlichkeitsrechte ein

„LSBTTIQ in Kirgisistan bedeutet, unter psychologischem Druck zu leben, die eigene Sexualität zu verstecken und die permanente Angst davor, jederzeit geoutet zu werden.“ Das weiß die Kirgisin Liliya Ten aus Erfahrung. 
Seit mehr als 10 Jahren setzt sich die 38-jährige, lesbische Marketingspezialistin für die Freiheit aller sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten in ihrem Land ein. Viele Menschen tolerieren sexuelle Orientierungen abseits von Heterosexualität nicht, obwohl im russisch und islamisch geprägten Kirgisistan LSBTTIQ-Leben legal ist. Oft seien diese Menschen unsichtbar, verletzlich und von täglicher Diskriminierung und Gewalt betroffen, erzählt Liliya Ten. 
Außerdem fehlten Antidiskriminierungsgesetze und es gab sogar Versuche, Homosexualität und die Aufklärung darüber unter Strafe zu stellen. Während des COVID-19-Lockdowns wurde nun die legale Änderung des Geschlechts von Transpersonen aus dem Gesetz gestrichen.
2013 gründete Liliya deshalb die NGO „The Grace“. „Ich arbeite direkt mit mehrfach diskriminierten Menschen zusammen. Beispielsweise transsexuelle Sexarbeiterinnen oder queere Menschen in ländlichen Gebieten wirken oft unsichtbar und werden täglich angefeindet“, erzählt sie. 
Ihre Organisation engagiert sich in Kirgisistan und Zentralasien für ein freies Leben als LSBTTIQ. „Wir setzen uns als Basisorganisation für Toleranz und Menschenrechte ein. Unser Ziel ist die Überwindung von Stigmata und Diskriminierung gegenüber LSBTTIQ-Personen.“
Liliya arbeitet zudem in Russland an einer App für HIV-Infizierte mit. Denn internationale Beziehungen seien ihr sehr wichtig. Aus diesem Grund nahm sie 2019 als Fellow am CrossCulture Programm (CCP) des Instituts für Auslandsbeziehungen teil. Im Zuge der Kooperation arbeitete die Marketerin mit der deutschen Partnerorganisation Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit zusammen. Dort organisierte sie den Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress, bewarb ein russischsprachiges Frauenprojekt und schrieb einen Artikel über Frauen mit HIV in Kirgisistan.
Die 38-Jährige war 2019 die erste LSBTTIQ-Teilnehmerin aus den zentralasiatischen Ländern bei CCP. „Alle Seiten waren hellauf begeistert von der Zusammenarbeit,“ erklärt Bärbel Wienkötter, ihre Kontaktperson vom CCP. „Ihre Hingabe bei ‚The Grace‘ fasziniert uns sehr und wir stehen weiterhin in engem Kontakt.“


(LSBTTIQ ist ein Sammelbegriff für Menschen, die außerhalb der heterosexuellen und zweigeschlechtlichen Norm leben. Die Buchstaben stehen für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer.)

nach oben